Dieser Ratgeber erklärt Aufbau, Prüfziffer und Etikett Schritt für Schritt. Mit dem Rechner weiter unten ergänzen Sie die Prüfziffer oder kontrollieren eine vorhandene Nummer. Wer nur eine interne Nummer für Lagerplätze braucht, findet im Code-128-Generator das passende Werkzeug; warum das keine SSCC ist, steht im Abschnitt „Kann ich eine SSCC ohne GS1 selbst erzeugen?“.

Was ist eine SSCC bzw. NVE-Nummer?

Eine SSCC ist die weltweit eindeutige Nummer einer einzelnen Transporteinheit, also einer Palette, eines Kartons, einer Gitterbox oder eines Pakets. Laut GS1 Germany identifiziert sie jede Transporteinheit auf dem Weg durch die Lieferkette, damit Sendungen vom Versender zum Empfänger nachverfolgt werden können, auch international.

  • SSCC ist der internationale Begriff und steht für Serial Shipping Container Code.
  • NVE ist die in Deutschland übliche Bezeichnung: Nummer der Versandeinheit. Gemeint ist dieselbe Nummer.
  • International gilt die SSCC als „Licence Plate“ nach ISO/IEC 15459, so beschreibt es GS1 Germany in seiner Anwendungsempfehlung.

Wichtig ist der Unterschied zur Artikelnummer: Die GTIN kennzeichnet eine Artikelart, jede Packung desselben Produkts trägt dieselbe Nummer. Die SSCC kennzeichnet ein einzelnes physisches Objekt. Zwei Paletten mit identischer Ware tragen zwei verschiedene SSCC.

Wie ist die SSCC aufgebaut?

Die SSCC ist rein numerisch und immer genau 18 Stellen lang. Sie besteht aus vier Teilen. Weil die Basisnummer unterschiedlich lang sein kann, passt sich die laufende Nummer an, damit die Gesamtlänge stimmt.

TeilStellenWer legt ihn fest?Zweck
Reserveziffer (Erweiterungsziffer)1Sie, frei von 0 bis 9Erweitert den Nummernvorrat
Basisnummer7 bis 9 (in Deutschland verbreitet)GS1Macht die SSCC weltweit überschneidungsfrei
Laufende (serielle) NummerRest bis Stelle 17SieNummeriert Ihre Transporteinheiten
Prüfziffer1Wird berechnetErkennt Tipp- und Lesefehler

Wie viele SSCC Sie bilden können, hängt allein von der Länge Ihrer Basisnummer ab (Angaben von GS1 Germany, die Reserveziffer ist eingerechnet):

BasisnummerLaufende NummerMögliche SSCC
7 Stellen9 Stellen10 Milliarden
8 Stellen8 Stellen1 Milliarde
9 Stellen7 Stellen100 Millionen

Die einzelnen Stellen haben keine Bedeutung für Spediteure. Es gibt keine Vorschrift, wie Sie die laufende Nummer füllen. GS1 Germany empfiehlt, sie als reine Zählnummer fortlaufend zu vergeben. Besteht eine Sendung aus mehreren Einheiten, lassen sich fortlaufende Nummern in Belegen zusammenfassen, statt jede einzeln aufzuführen.

Wie berechne ich die Prüfziffer der SSCC?

Die Prüfziffer ist die 18. Stelle und folgt demselben Modulo-10-Verfahren wie bei GTIN und GLN: Sie multiplizieren die 17 Stellen davor von rechts nach links abwechselnd mit 3 und 1, addieren alles und ergänzen bis zum nächsten Vielfachen von 10. Die Stelle direkt vor der Prüfziffer wird mit 3 multipliziert.

Rechenbeispiel Schritt für Schritt

Beispiel mit Reserveziffer 3, der erfundenen Basisnummer 4012345 (nehmen Sie für echte Etiketten Ihre eigene) und der laufenden Nummer 000000001:

Stelle1234567891011121314151617
Ziffer34012345000000001
Gewicht31313131313131313
Produkt940163125000000003
  1. Die Summe aller Produkte ist 43.
  2. Bis zum nächsten Vielfachen von 10 (50) fehlen 7.
  3. Die Prüfziffer ist also 7, die vollständige SSCC lautet 340123450000000017.

Ist die Summe schon ein Vielfaches von 10, lautet die Prüfziffer 0. Zur Kontrolle gewichten Sie die Prüfziffer mit 1 und wiederholen die Rechnung über alle 18 Stellen: Bei einer gültigen SSCC ist die Summe ein Vielfaches von 10.

SSCC-Prüfziffer online berechnen

Zum Beispiel 34012345000000001 (17 Stellen) oder 340123450000000017 (18 Stellen).

Die Berechnung erfolgt in Ihrem Browser, die eingegebene Nummer wird nicht an unseren Server gesendet. Für GTIN, EAN und UPC gibt es den EAN-Prüfziffernrechner; das Verfahren dahinter erklärt der Ratgeber Prüfziffer berechnen.

Wer vergibt die SSCC und woher kommt die Basisnummer?

Die SSCC vergibt das Unternehmen, das die Transporteinheit physisch zusammenstellt oder als Markengeber dafür verantwortlich ist. Die Basisnummer dafür kommt von GS1. Wer GS1-Kunde ist, hat sie bereits: GS1 Germany nennt sie die Basisnummer Ihrer GLN, zu finden im Zuteilungsschreiben oder über GEPIR.

  • Mit GS1-Mitgliedschaft: Über „GS1 Complete“ von GS1 Germany nutzen Sie SSCC und alle anderen GS1-Nummern. Ein Paket mit 1.000 GTIN entspricht laut GS1 Germany bis zu 100 Millionen SSCC, eines mit 10.000 GTIN bis zu 1 Milliarde und eines mit 100.000 GTIN bis zu 10 Milliarden.
  • Kostenloser Service: GS1-Complete-Kunden können mit „GS1 Print“ eine SSCC manuell erstellen und als Etikett herunterladen. Die Prüfziffer wird dort automatisch berechnet.
  • Schon vergeben: Existiert bereits eine SSCC, wird sie auf der gesamten weiteren Strecke übernommen. Eine Transporteinheit trägt auf ihrem Weg zum Empfänger niemals zwei SSCC.

Wie GS1 bei der Artikelnummer funktioniert und was Sie dort beachten sollten, lesen Sie unter EAN-Nummer beantragen.

Eine einmal verwendete SSCC sollten Sie frühestens nach einem Jahr wiederverwenden. Wenn die Einheit länger existiert oder die Nummer in Datenbanken noch als Referenz dient, verlängert sich die Frist entsprechend.

Kann ich eine SSCC ohne GS1 selbst erzeugen?

Rechnen können Sie die Prüfziffer jeder Ziffernfolge, aber eine SSCC ohne eigene GS1-Basisnummer ist nicht weltweit eindeutig. Die Eindeutigkeit entsteht erst durch die Basisnummer. Verwenden Sie erfundene oder fremde Basisnummern, können zwei Unternehmen dieselbe Nummer vergeben, und Handelspartner oder Spediteure verlieren die Zuordnung.

Für rein interne Zwecke gibt es eine ehrliche Alternative:

  • Interne Palettennummern, Lagerplätze und Chargen dürfen Sie frei vergeben. Dafür genügt ein normaler Code 128, den der Code-128-Generator erzeugt. Er ist kein GS1-128 und trägt keine Kennung (00). Ein Handelspartner, der eine SSCC verlangt, liest damit nichts Passendes.
  • Liefern Sie an Handel oder Industrie, die ein GS1-Transportetikett verlangen, brauchen Sie die Basisnummer von GS1 und ein GS1-128 mit (00). Fragen Sie vorher beim Empfänger nach seinen Etikettenvorgaben.
  • Gehört das Etikett an einen Verkaufs- oder Umkarton mit GTIN, nutzen Sie den ITF-14-Generator für den GTIN-14-Karton-Code; die SSCC kommt zusätzlich dazu und ersetzt die GTIN nicht.

Wie sieht ein SSCC-Etikett (NVE-Etikett) aus?

Das SSCC-Etikett ist das GS1-Transportetikett: Die SSCC steht als GS1-128-Strichcode mit der Kennung (00) und zusätzlich in Klarschrift. Alles Weitere ist optional und mit dem Empfänger abzustimmen. Nach GS1 Germany reicht im einfachsten Fall die SSCC allein, oben links dazu die Absenderadresse.

Pflicht und Kür auf dem Etikett

  • Strichcode: Für das GS1-Transportetikett ist der GS1-128 laut GS1 Germany der verpflichtende Datenträger. Seit Mitte 2019 ist zusätzlich ein GS1-2D-Code (GS1 DataMatrix oder GS1 QR-Code) erlaubt, der dann alle Datenelemente der GS1-128-Symbole enthalten muss.
  • Klarschrift: Kennung und Dateninhalt stehen im Klartext unter dem Code. Die Klammern um die Kennung, also (00), dienen nur der Lesbarkeit. Sie dürfen nicht im Strichcode codiert werden.
  • Position im Etikett: Das Symbol mit der SSCC gilt als primäres Symbol und sollte ganz unten auf dem Etikett stehen.
  • Zusatzdaten: GTIN des Inhalts, Charge oder Bestellnummer des Empfängers haben eigene Kennungen und stehen in weiteren Symbolen. Bei einem A6-Etikett rät GS1 Germany von einer Verkettung mit der SSCC in einem Symbol ab, weil die Ruhezone sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinträchtigt wird.

Maße und Anbringung nach GS1

AngabeWert laut GS1 Germany
X-Modul (schmalster Strich) des GS1-128 auf dem Transportetikett0,495 mm bis 0,94 mm
Mindesthöhe des Strichcodes31,75 mm
Gängige EtikettenformateA6 (105 × 148 mm) und A5 (148 × 210 mm)
Paletten: Höhe über der Standfläche400 mm bis 800 mm (kleinere Paletten: so hoch wie möglich)
Paletten: Abstand von senkrechten Kanten, inkl. Ruhezonemindestens 50 mm
Kartons: Unterkante des Symbols über dem Bodenmöglichst 32 mm
Kartons: Abstand von senkrechten Kanten, inkl. Ruhezonemindestens 19 mm
Anzahl Etiketten pro Palettemindestens eines; empfohlen zwei identische an angrenzenden Seiten

Gedruckt wird die SSCC meist vor Ort, denn anders als die GTIN steht sie nicht schon beim Verpackungsdruck fest. GS1 Germany empfiehlt Selbstklebeetiketten mit abriebfester und wetterfester Oberfläche, gedruckt per Thermo-, Laser- oder Inkjet-Drucker. Eine bereits vorhandene GTIN auf dem Karton darf das Etikett nicht überkleben; die Anbringung erfolgt direkt daneben unter Einhaltung der Ruhezonen. Allgemeine Druckhinweise finden Sie unter Barcode drucken.

Was ist der Unterschied zwischen GS1-128 und Code 128?

GS1-128 ist ein Code 128 mit einem Funktionszeichen (FNC1) direkt nach dem Startzeichen und genormten Datenbezeichnern. Das FNC1 sagt dem Scanner, dass die folgenden Daten nach dem GS1-Regelwerk zu lesen sind. Für die SSCC ist die Kennung (00) reserviert, danach folgen die 18 Ziffern.

Ein normaler Code-128-Strichcode mit denselben Ziffern sieht ähnlich aus, ist aber kein GS1-128. Scanner erkennen daran weder die Kennung noch das GS1-Format. Dieses Missverständnis ist die häufigste Fehlerquelle bei selbst gebauten Etiketten. Mehr zu den Symbologien steht im Ratgeber Barcode-Arten. Die Generatoren auf barcode-generieren.de erzeugen normalen Code 128, also ohne Application Identifiers und ohne FNC1.

SSCC, GTIN und Sendungsnummer: Was ist der Unterschied?

SSCC / NVEGTIN (EAN)Sendungsnummer
Kennzeichneteine einzelne Transporteinheiteine Artikelarteine Sendung im System des Paketdienstes
Stellen188, 12, 13 oder 14je nach Dienstleister
Eindeutig fürjede Einheit weltweitalle Einheiten desselben Artikelsnur den jeweiligen Dienstleister
StrichcodeGS1-128 mit (00)EAN-13, UPC-A, ITF-14 oder GS1-128 mit (01)Format des Dienstleisters
HerausgeberVersender mit GS1-BasisnummerMarkeninhaber mit GS1-BasisnummerPaketdienst oder Spedition

Ist eine Transporteinheit zugleich eine bestellbare Handelseinheit, trägt sie beides: die GTIN für die Bestellung und die SSCC für die Logistik. GS1 Germany weist darauf hin, dass die zweifache Codierung an den Kassen keine Probleme macht, weil die SSCC über Code und Kennung als solche erkannt und gegebenenfalls unterdrückt wird.

Typische Fehler bei SSCC und NVE-Etiketten

  • 17 statt 18 Stellen: Die Prüfziffer fehlt. Mit dem Rechner oben ergänzen Sie sie.
  • Falsche Prüfziffer: Meist ein Zahlendreher. Rechnen Sie die Prüfziffer neu aus.
  • Normaler Code 128 statt GS1-128: Es fehlt das FNC1. Der Empfänger-Scanner erkennt keine Kennung (00).
  • Klammern mitkodiert: Die Klammern gehören nur in die Klarschrift, nicht in den Strichcode.
  • Ruhezone zu klein oder Etikett zu knapp an der Kante: Auf Paletten gelten mindestens 50 mm bis zur senkrechten Kante.
  • Dieselbe SSCC auf mehreren Einheiten oder zu früh wiederverwendet: Jede Einheit braucht ihre eigene Nummer; Wiederverwendung frühestens nach einem Jahr.
  • GTIN überklebt: Das Transportetikett kommt neben die vorhandene GTIN, nicht darüber.

Ob ein Etikett lesbar ist, testen Sie mit dem Barcode-Scanner per Kamera oder Foto. Er zeigt Format und Inhalt eines Code-128-Symbols, wertet aber keine GS1-Kennungen wie (00) aus. Die Prüfziffer kontrollieren Sie mit dem Rechner oben. Wenn ein Scan grundsätzlich scheitert, hilft der Ratgeber Barcode scannt nicht.

Wie geht es weiter?

Für interne Nummern und Testzwecke zeichnet ein Barcode-Generator ohne Anmeldung den Code in Sekunden als SVG oder PNG. Für GS1-Transportetiketten mit (00) nutzen Sie die Services von GS1 oder die Etikettensoftware Ihres Warenwirtschaftssystems.

Quellen

Die Angaben zu Größen, Positionen und Fristen stammen aus der genannten Anwendungsempfehlung von GS1 Germany (Stand Mai 2020). Verbindlich sind die aktuellen GS1 General Specifications und die Vorgaben Ihres Handelspartners. Das ist keine Rechtsberatung.